Steht im Datenblatt einer Anlage „95 dB“, ist damit noch nicht gesagt, wie laut es später an Ihrem Arbeitsplatz wird. Hinter der Zahl kann sich die Energie verbergen, die eine Maschine abstrahlt, oder der Druck, der an einer bestimmten Stelle im Raum ankommt. Werden beide verwechselt, entsteht Schallschutz auf der falschen Grundlage.
Obwohl Schallleistungspegel und Schalldruckpegel beide in Dezibel angegeben werden, beantworten sie zwei völlig verschiedene Fragen. Der eine sagt, wie viel Schall eine Maschine insgesamt an ihre Umgebung abgibt. Der andere misst, was davon an Ihrem Arbeitsplatz ankommt.
Für Einkauf, Arbeitsschutz und Planung zählt mal die eine, mal die andere Zahl. Genau an dieser Stelle entstehen in vielen Betrieben teure Missverständnisse. Dieser Beitrag stellt Schallleistungspegel und Schalldruckpegel nebeneinander, zeigt die Umrechnung an einem Rechenbeispiel und erklärt, welcher Wert im Maschinendatenblatt für Ihre Planung wirklich zählt. Die nötige Mathematik beschränkt sich auf eine einzige Formel.
Wie zwei solche Größen zusammenhängen, zeigt ein Heizkörper. Seine Heizleistung steht als feste Wattzahl auf dem Typenschild, ganz gleich, in welchem Raum er hängt. Welche Temperatur Sie am Schreibtisch spüren, hängt dagegen von der Raumgröße, vom Abstand zum Heizkörper und von den Wänden ab. Ganz ähnlich verhalten sich Schallleistungspegel und Schalldruckpegel. Der erste beschreibt die Ursache, der zweite die Wirkung an einem Ort.
Warum ist das in der Industrie mehr als eine Frage der Begriffe? Der Einkauf vergleicht neue Anlagen anhand von Herstellerangaben, während die Fachkraft für Arbeitssicherheit den Lärm am Bedienplatz beurteilt. Beide sprechen von Dezibel, meinen aber selten dieselbe Größe. Wir von der sta Group erleben in Projekten regelmäßig, dass ein Datenblattwert und ein Messprotokoll aus der Halle nebeneinanderliegen und sich scheinbar widersprechen. Tatsächlich beschreiben die beiden Zahlen verschiedene Dinge, die sich sauber ineinander überführen lassen.
Schall breitet sich als winzige Schwankung des Luftdrucks aus. Wenn diese Schwankung auf ein Trommelfell oder eine Mikrofonmembran trifft, lässt sie sich als Schalldruck erfassen. Im Paar Schallleistungspegel und Schalldruckpegel ist das die Größe, die Sie mit einem Messgerät direkt ablesen können.
Der Schalldruckpegel gilt deshalb immer nur für genau den Punkt, an dem gemessen oder gerechnet wurde. Zwei Meter weiter kann dieselbe laufende Maschine einen ganz anderen Wert ergeben.
Das menschliche Ohr verarbeitet einen enormen Bereich. Zwischen der Hörschwelle von 20 Mikropascal und der Schmerzgrenze liegt etwa der Faktor eine Million. Damit dieser Bereich handhabbar bleibt, wird der gemessene Druck p ins Verhältnis zum Bezugswert p₀ gesetzt und logarithmiert. Die Formel lautet Lp = 20 · log(p / p₀). Aus dem Faktor eine Million werden so 120 dB.
Das Dezibel ist beim Schalldruckpegel Einheit und Rechenvorschrift zugleich. Ein Plus von 6 dB bedeutet doppelten Schalldruck, auch wenn das Gehör diesen Schritt nicht als Verdopplung der Lautstärke empfindet.
Da das Ohr tiefe Töne bei gleichem Druck deutlich leiser wahrnimmt als mittlere Frequenzen, wird diese Eigenschaft in der Messtechnik nachgebildet. Ein A-bewerteter Schalldruckpegel nutzt dafür einen genormten Frequenzfilter nach DIN EN 61672-1 und wird als dB(A) oder LpA angegeben.
Auf diesen Wert beziehen sich die beiden Auslösewerte, ab denen Arbeitgeber handeln müssen, mit 85 dB(A) als oberer Grenze. Was diese Grenzen im Einzelnen nach sich ziehen, beschreibt unser Beitrag zum Lärmpegel am Arbeitsplatz.
Die Schallleistung erfasst die gesamte akustische Energie, die eine Maschine pro Sekunde in alle Richtungen abgibt. Abstand, Raumgröße und Wandflächen spielen dafür keine Rolle. Eine Presse hat in der leeren Montagehalle dieselbe Schallleistung wie später im voll belegten Werk.
Wie misst man etwas, das sich mit keinem Mikrofon direkt erfassen lässt? Der Wert wird aus vielen Schalldruckwerten berechnet, die auf einer Messfläche erfasst werden, welche die Maschine wie eine Hülle umschließt. Das Hüllflächenverfahren nach ISO 3744 ist dafür eine der gängigsten Methoden. Auch deshalb gehören Schallleistungspegel und Schalldruckpegel zusammen, denn ohne Schalldruckmessungen ließe sich die Schallleistung gar nicht bestimmen.
Für die Schallleistung P gilt ein eigener Bezugswert P₀ von einem Pikowatt, also 10⁻¹² Watt. Die Formel lautet LW = 10 · log(P / P₀). Bereits kleine Leistungen ergeben damit hohe Pegel:
Nur ein winziger Bruchteil der Antriebsleistung einer Maschine wird überhaupt zu Schall. Für die Arbeit mit Schallleistungspegel und Schalldruckpegel bleibt festzuhalten: Beide Skalen sehen ähnlich aus, hängen aber an unterschiedlichen Bezugswerten und lassen sich deshalb nicht direkt voneinander abziehen.
Im Datenblatt erscheint die Schallleistung meist mit einem doppelten Index. Der Schallleistungspegel LWA verbindet das W für die Leistung mit dem A für die Frequenzbewertung. Weil er vom Aufstellort unabhängig ist, eignet er sich als neutrale Vergleichsgröße zwischen zwei Anlagen, deren späterer Standort noch gar nicht feststeht.
Nebeneinandergestellt wird schnell sichtbar, warum die beiden Werte nie direkt gegeneinander aufgerechnet werden dürfen. Zwar tragen Schallleistungspegel und Schalldruckpegel dieselbe Einheit, sie beziehen sich aber auf verschiedene physikalische Größen mit verschiedenen Bezugswerten.
Unterschied Schalldruckpegel und Schallleistungspegel im Überblick:
| Merkmal | Schalldruckpegel (Lp) | Schallleistungspegel (LW) |
|---|---|---|
| Beschreibt | Wirkung an einem bestimmten Ort | Abstrahlung der Quelle insgesamt |
| Abhängig von Abstand und Raum | ja | nein |
| Bezugsgröße | 20 Mikropascal | 1 Pikowatt |
| Ermittlung | direkt gemessen | aus vielen Messpunkten berechnet |
| Typische Verwendung | Arbeitsplatz, Immissionsort | Maschinenvergleich, Planung |
Als Merksatz hat sich in unseren Projekten bewährt: Die Leistung gehört zur Maschine, der Druck gehört zum Ort. Wo in einer Unterlage Index und Abstandsangabe fehlen, bleibt offen, welcher der beiden Werte gemeint ist. Eine kurze Rückfrage beim Hersteller ist dann billiger als eine falsch dimensionierte Maßnahme.
Um einen Schallleistungspegel in Schalldruckpegel umrechnen zu können, brauchen Sie drei Angaben. Gefragt sind der Pegel der Quelle, der Abstand zum betrachteten Punkt und die Art, wie sich der Schall ausbreiten kann.
Sofern eine kleine Quelle frei in alle Richtungen abstrahlt, verteilt sich ihre Leistung auf eine Kugeloberfläche. Für diesen Fall gilt Lp = LW − 20 · log(r) − 11 dB, wobei r den Abstand in Metern bezeichnet. Für eine Maschine auf schallhartem Hallenboden zählt nur die Halbkugel, statt 11 dB werden dann 8 dB abgezogen.
Daraus folgt eine bekannte Faustregel. Jede Verdopplung des Abstands senkt den Pegel im Freifeld um 6 dB. Eine Aufstellung direkt an einer Wand oder in einer Raumecke wirkt umgekehrt, je halbiertem Abstrahlraum kommen rund 3 dB hinzu. Die Formel beschreibt damit genau, wie aus Schallleistung Schalldruck wird.
Ein Beispiel aus dem Hallenalltag macht die Formel greifbar:
Ob der Bedienplatz zwei oder vier Meter entfernt liegt, entscheidet in diesem Beispiel also darüber, ob der obere Auslösewert überschritten wird.
In einer echten Halle kommt zum Direktschall der Anteil hinzu, den Decke, Wände und benachbarte Anlagen zurückwerfen. Während nahe an der Quelle noch der direkte Anteil dominiert, gewinnt mit wachsendem Abstand der reflektierte Schall an Gewicht. Der gemessene Wert liegt deshalb in größerer Entfernung oft spürbar über dem Freifeldergebnis.
Für Schallleistungspegel und Schalldruckpegel bedeutet das keinen Bruch, sondern einen zusätzlichen Raumanteil, den die einfache Formel nicht kennt. Wie sich dieser Anteil gezielt senken lässt, erklärt unser Beitrag zur Raumakustik in Industriehallen.
Drei Fragen tauchen in Gesprächen über Schalldruckpegel und Schallleistungspegel besonders häufig auf.
Ja, sehr nah an der Quelle ist das rechnerisch möglich. Bei einer Maschine auf dem Hallenboden übersteigt der Schalldruckpegel den Schallleistungspegel unterhalb von rund 0,4 Metern Abstand. Das zeigt, warum Schallleistungspegel und Schalldruckpegel nie als zwei Messungen derselben Sache gelesen werden dürfen.
Nein. Ein Wert in dB(A) ist frequenzbewertet und gewichtet tiefe Töne schwächer, während der unbewertete Wert alle Frequenzen gleich behandelt. Bei tieffrequentem Lärm, etwa von großen Gebläsen oder Pressen, kann der Unterschied deutlich ausfallen. Die A-Bewertung lässt sich auf Schallleistungspegel und Schalldruckpegel gleichermaßen anwenden, daher die Angaben LWA und LpA.
Am besten beide. Der Schallleistungspegel macht Angebote verschiedener Hersteller vergleichbar, der Emissions-Schalldruckpegel am Bedienplatz legt fest, was Ihr Personal später hört. Mit getrennten Obergrenzen für Schallleistungspegel und Schalldruckpegel in den Anforderungen ersparen Sie sich Diskussionen nach der Abnahme.
Herstellerangaben zur Geräuschemission folgen einem festen Schema. Über 80 dB(A) am Bedienplatz muss das Datenblatt neben dem Emissions-Schalldruckpegel auch die Schallleistung der Maschine nennen. Welche Pflichten dahinterstehen, erläutert unser Beitrag zur EU-Maschinenverordnung. Für Ihre Planung lohnt vor allem ein genauer Blick darauf, wie Schallleistungspegel und Schalldruckpegel im Datenblatt angegeben sind.
Datenblätter nach dieser Norm nennen jeden Wert in zwei Teilen. Der Messwert L steht neben der Unsicherheit K, die Messabweichungen und die Streuung innerhalb einer Baureihe abdeckt.
Für Ihre Planung zählt die Summe aus beiden, denn erst sie beschreibt, womit Sie bei einer beliebigen Maschine aus der Serie rechnen müssen. Diese Zweizahlangabe gilt für Schallleistungspegel und Schalldruckpegel gleichermaßen.
Der Emissions-Schalldruckpegel wird nach der Normenreihe DIN EN ISO 11201 bis 11205 unter festgelegten Bedingungen ermittelt. Gemeint ist dabei stets ein A-bewerteter Schalldruckpegel an einer definierten Position am Bedienplatz. Was in Ihrer Halle sonst noch läuft und wie die Halle selbst klingt, bleibt außen vor.
Für den Vergleich zweier Anlagen ziehen Sie deshalb den Schallleistungspegel heran. Als Zielvorgabe für den Bedienplatz eignet sich der Emissionswert, für die Beurteilung des Arbeitsplatzes im laufenden Betrieb zählt am Ende die Messung vor Ort.
In der Praxis ergänzen sich Schallleistungspegel und Schalldruckpegel zu einem klaren Vorgehen. Wir planen Schallschutz in drei Schritten:
Diese Rechnung entscheidet gerade bei Maschineneinhausungen über Wandaufbau, Fugen und Zuluftführung. Bevor wir konstruieren, messen wir deshalb vor Ort nach und nehmen die Umgebung mit dem 3D-Scanner auf. Ein Datenblatt allein ersetzt diese Bestandsaufnahme nicht, weil es die Halle nicht kennt.
Für Ihren Betrieb heißt das konkret: Vergleichen Sie Maschinen über die Schallleistung, beurteilen Sie Arbeitsplätze über den Schalldruck und rechnen Sie zwischen beiden nur mit Abstand und Aufstellung im Blick. Dabei sind Schallleistungspegel und Schalldruckpegel kein Widerspruch, sondern zwei Seiten derselben Rechnung. Unser Team aus Ingenieuren, Konstrukteuren und eigenen Monteuren übernimmt jeden Schritt, vom Messprotokoll bis zur fertig montierten Einhausung. Falls Datenblatt und Messwerte bei Ihnen nicht zusammenpassen, ordnen wir die Zahlen gern gemeinsam mit Ihnen ein. Lassen Sie sich beraten und starten Sie mit einer Messung an Ihrem Arbeitsplatz.
sta group
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