Ein Prüfzeugnis bescheinigt der neuen Trennwand 45 Dezibel, trotzdem ist die Presse im Meisterbüro nebenan deutlich zu hören. Meist liegt das nicht an der Wand selbst, sondern an einer Tür, einem Lüftungsgitter oder einem Kabelkanal, der die Rechnung verschiebt. Welche Zahl im Datenblatt wirklich zählt und wie Sie sie für Ihre Halle einordnen, erklären wir in diesem Beitrag.
Wie viel Lärm eine Wand, eine Tür oder eine Kabinenwand tatsächlich zurückhält, beschreibt das Schalldämmmaß. Im Datenblatt steht es meist als einzelne Zahl in Dezibel, versehen mit einem kleinen Index w. Hinter diesem Wert stecken eine genormte Messung, eine Bewertungskurve und einige Annahmen, die in einer Produktionshalle nicht automatisch gelten.
Im Folgenden erfahren Sie, was die Kennzahl aussagt, wo ihre Grenzen liegen und wie Sie aus mehreren Bauteilen das Ergebnis einer ganzen Wand abschätzen. Am Ende kennen Sie die Fragen, die vor jeder Ausschreibung geklärt sein sollten.
Ein Prüfzeugnis beschreibt ein einzelnes Bauteil, das im Labor zwischen zwei Messräumen sitzt, sorgfältig abgedichtet und ohne Nebenwege. In der Halle steht dieselbe Wand neben einer Tür, unter einem Lüftungsgitter und auf einem schwingenden Boden. Was am Arbeitsplatz ankommt, hängt deshalb nie allein vom Datenblattwert ab, sondern auch von Anschlüssen, Öffnungen und der Größe der Fläche. Schon ein offener Spalt unter einer Tür kann mehr Schall durchlassen als die gesamte übrige Wand.
In Anfragen an die sta Group taucht oft nur eine einzige Zahl auf, etwa der Wunsch nach einer Kabine mit 40 dB. Genügt dieser Wert? Ohne Zielpegel, Lärmspektrum und Bauteilflächen lässt sich das kaum beurteilen. Aus Projekten mit Schallschutzwänden, Kabinen und Einhausungen wissen wir: Ein hohes Schalldämmmaß ist die Voraussetzung für guten Schallschutz, aber noch nicht das Ergebnis. Wie die Zahl entsteht und wie Sie sie richtig einsetzen, zeigen die folgenden Abschnitte.
Physikalisch beschreibt das Schalldämmmaß R, wie stark ein Bauteil die auftreffende Schallleistung beim Durchgang schwächt. Verglichen wird die Leistung, die auf der lauten Seite auf die Fläche trifft, mit dem Anteil, der auf der leisen Seite wieder abgestrahlt wird. Angegeben wird das Ergebnis logarithmisch in Dezibel, und zwar nur für Luftschall.
Warum spielt die Frequenz dabei eine so große Rolle? Tiefe Töne kommen durch fast jede Konstruktion leichter hindurch als hohe. Ein und dieselbe Wand kann bei 100 Hz nur 25 dB erreichen und bei 2.000 Hz über 50 dB. Deshalb werden Schalldämmmaße im Prüfstand gemäß DIN EN ISO 10140-2 für jedes Terzband einzeln ermittelt, vom tiefen Brummen bis zum hellen Zischen.
Mit dem Schlucken von Schall innerhalb eines Raums hat diese Größe nichts zu tun. Den Unterschied zwischen beiden Prinzipien erläutert unser Ratgeber Schalldämmung vs. Schallabsorption im Detail.
Mathematisch gilt R = 10 · lg(1/τ), wobei τ den Anteil der Schallleistung bezeichnet, der durch das Bauteil gelangt. 30 dB bedeuten demnach, dass ein Tausendstel der Energie die Wand passiert.
Ein Schalldämmmaß von 40 dB lässt nur noch ein Zehntausendstel durch. Jeweils weitere 10 dB teilen den durchgelassenen Anteil erneut durch zehn, bei 50 dB bleibt so nur noch ein Hunderttausendstel. Genau deshalb fallen schon winzige Lecks so stark ins Gewicht, denn ein offener Spalt lässt die Energie fast ungehindert passieren.
Weil sich sechzehn Einzelwerte im Alltag schlecht vergleichen lassen, wird der Frequenzverlauf für Datenblätter und Ausschreibungen zu einer Einzahl verdichtet, dem Schalldämmmaß Rw. Der Index w steht für „weighted“, also bewertet.
Ein bewertetes Schalldämmmaß von 42 dB sagt aus, wie gut ein Bauteil über den bauakustisch wichtigen Frequenzbereich dämmt, gewichtet nach einer festen Kurve. In Normen und Prüfberichten begegnet Ihnen dafür auch die Schreibweise Schalldämm-Maß mit Bindestrich. Gemeint ist dieselbe Größe.
Grundlage ist eine genormte Bezugskurve, die über 16 Terzbänder von 100 bis 3.150 Hz verläuft und bei tiefen Frequenzen niedrigere Werte zulässt. Sie wird in Schritten von 1 dB so lange verschoben, bis die Messwerte sie in der Summe um höchstens 32 dB unterschreiten.
Abgelesen wird anschließend der Wert der verschobenen Kurve bei 500 Hz. Bänder, in denen das Bauteil besser abschneidet als die Kurve, bringen dabei keinen Bonus, schwache Bänder kosten dagegen Punkte. Ein Element mit einem deutlichen Einbruch in wenigen Bändern erreicht so ein niedrigeres Schalldämmmaß, auch wenn es im übrigen Spektrum sehr gut dämmt.
Vollständige Angaben tragen hinter der Einzahl zwei Korrekturen in Klammern, etwa Rw (C; Ctr) = 42 (−1; −5) dB. Der Wert C gilt für Geräusche mit mittleren und hohen Anteilen. Ctr dagegen ist für tieffrequente Geräusche gedacht. Als typische Quellen nennt die Norm neben Straßenverkehr ausdrücklich auch Fabriken, die überwiegend tief- und mittelfrequenten Lärm abstrahlen.
Für Industriehallen ist das keine Nebensache. Wenn Pressen, Gebläse oder Aggregate vor allem im Bassbereich arbeiten, beschreibt die Summe aus Rw und Ctr die Wirkung realistischer als die Einzahl allein. Im Beispiel bleiben vom wirksamen Schalldämmmaß dann nur 37 der ursprünglich 42 dB übrig. Fehlen die Korrekturwerte im Datenblatt, fordern Sie am besten das vollständige Prüfzeugnis an.
Im Prüfstand sind alle Nebenwege gezielt unterdrückt, der Schall erreicht den Empfangsraum nur durch das Prüfobjekt. Sobald die Wand eingebaut ist, sieht das anders aus. Über Boden, Decke, Stahlbau und angrenzende Wände läuft ein Teil des Schalls an der Trennwand vorbei, dieser Effekt heißt Flankenübertragung. Das im Gebäude gemessene Bau-Schalldämmmaß R’w liegt deshalb praktisch immer unter dem Laborwert.
Die vier Kürzel, die Ihnen in Datenblättern und Abnahmeprotokollen begegnen, im Überblick:
| Größe | Ermittlung | Nebenwege enthalten | Typische Verwendung |
|---|---|---|---|
| R | Prüfstand, je Terzband | nein | Frequenzverlauf, Detailplanung |
| Rw | Prüfstand, Einzahl nach DIN EN ISO 717-1 | nein | Datenblatt, Produktvergleich |
| Rw,P | Prüfzeugnis eines konkreten Produkts | nein | Nachweis in der Ausschreibung |
| R’w | Messung im eingebauten Zustand nach DIN EN ISO 16283-1 | ja | Abnahme, Bauwert |
Wie groß der Abstand zwischen Prüfwert und eingebautem Schalldämmmaß ausfällt, entscheidet die Ausführung vor Ort. Vor allem Anschlussfugen, Durchführungen und die Verbindung zum Hallenboden machen hier den Unterschied.
Welches Schalldämmmaß ein Bauteil erreicht, hängt vor allem von seiner Masse und seinem Aufbau ab. Die folgenden Spannen sind Laborwerte und dienen als grobe Orientierung, denn je nach Dicke, Hersteller und Ausführung schwanken sie deutlich:
Bei Türen und Fenstern gilt der Wert immer für das komplette Element mit Zarge und Dichtungen, nicht für das Türblatt oder die Scheibe allein. Für Durchgänge zwischen lauten und ruhigen Bereichen planen wir Schallschutztüren deshalb passend zur Wand, in die sie eingebaut werden. Bei Ständerwänden entscheiden Beplankung, Hohlraumdämmung und Ständerabstand über das Ergebnis, mehr dazu unter Trockenbauwand Schallschutz.
Bei einschaligen Bauteilen bestimmt vor allem die flächenbezogene Masse das Ergebnis. Nach dem Massegesetz bringt jede Verdopplung des Gewichts pro Quadratmeter theoretisch rund 6 dB, in der Praxis meist etwas weniger.
Doppelschalige Aufbauten erreichen bei gleichem Gewicht deutlich mehr, sofern beide Schalen entkoppelt sind und der Hohlraum gedämmt ist. Dünne, steife Platten haben allerdings eine Schwachstelle. Rund um ihre Koinzidenzgrenzfrequenz schwingt die Platte im Takt der auftreffenden Welle mit, das Schalldämmmaß bricht dort sichtbar ein. Bei 8 mm Glas liegt dieser Einbruch um 1.500 Hz, bei einer Gipsplatte von 12,5 mm knapp unter 3.000 Hz.
Kaum eine Wand in der Halle besteht nur aus einem einzigen Bauteil. Türen, Sichtfenster, Lüftungsgitter und Kabeldurchführungen sitzen in derselben Fläche und bringen jeweils eigene Werte mit. Für die Gesamtwirkung zählt ein resultierendes Schalldämmmaß, das alle Teilflächen zusammenfasst.
Möchten Sie das Schalldämmmaß berechnen, dürfen Sie die Dezibelwerte nicht einfach nach Flächen mitteln. Gemittelt wird die durchgelassene Energie, erst danach wird wieder in Dezibel umgerechnet.
Berechnung Schalldämmmaß aus Teilflächen:
Rres = −10 · lg [ Σ (Sᵢ / S) · 10^(−Rᵢ / 10) ]
Sᵢ steht dabei für die Fläche des einzelnen Bauteils, Rᵢ für dessen Wert und S für die gesamte Wandfläche. Ein Beispiel aus dem Hallenbau zeigt, wie schnell sich das Ergebnis verschiebt. Eine Trennwand von 20 m² erreicht im Wandbereich 45 dB, darin sitzt eine Tür von 2 m² mit 30 dB. Obwohl die Tür nur ein Zehntel der Fläche einnimmt, sinkt der Gesamtwert auf rund 39 dB. Knapp 80 Prozent der durchgelassenen Energie gehen dann allein durch die Tür.
Was folgt daraus für die Planung? Teure Wandelemente zahlen sich nur aus, wenn Türen, Fenster und Lüftungsöffnungen auf ein ähnliches Niveau gebracht werden. Je näher die Werte aller Bauteile beieinanderliegen, desto weniger verliert die Wand als Ganzes.
Noch drastischer wirken Öffnungen, die praktisch gar nicht dämmen. Nimmt ein offener Spalt nur 1 Prozent der Wandfläche ein, begrenzt er das Schalldämmmaß der gesamten Wand auf rund 20 dB, ganz gleich, wie gut der Rest gebaut ist. Selbst ein Promille offener Fläche hält die Wand bei etwa 30 dB fest.
Wo entstehen solche Lecks in einer Produktionshalle? Typisch sind Kabel- und Rohrdurchführungen, Spalte unter Toren, Förderbandöffnungen und ungedämmte Lüftungsöffnungen. Schallgedämmte Lüftungsgitter, Kulissen und Bürstendichtungen dämmen diese Wege, ohne Luft oder Material aufzuhalten.
Bei Einhausungen, Kabinen und Leitständen interessiert am Ende, um wie viel leiser es durch die gesamte Konstruktion wird. Diese Größe heißt Einfügungsdämmmaß und wird gemäß DIN EN ISO 11546 ermittelt. Sie liegt fast immer unter dem Schalldämmmaß der verbauten Wandelemente, oft um 10 dB und mehr.
Woran liegt das? Drei Gründe spielen zusammen. Ohne absorbierende Innenverkleidung wird der Schall an den harten Innenflächen immer wieder zurückgeworfen, der Pegel im Inneren steigt und drückt mehr Energie nach außen. Hinzu kommen Öffnungen für Material, Kabel und Lüftung sowie Körperschallbrücken, wenn die Kabine starr mit Maschine oder Hallenboden verbunden ist. Eine wirksame Kabine braucht deshalb eine schallschluckende Innenseite, dichte Durchführungen und eine entkoppelte Aufstellung.
Wir gehen bei der Planung vom Ziel aus und nicht vom Datenblatt. Zuerst legen wir fest, welcher Pegel am Arbeitsplatz erreicht werden soll, daraus leiten wir die nötige Einfügungsdämmung ab und legen erst dann Wandaufbau, Tür, Fenster und Lüftung aus. Ein digitales Aufmaß per 3D-Scanner sorgt dafür, dass jede Durchführung schon im 3D-CAD-Modell ihren Platz hat und auf der Baustelle kein Element nachträglich aufgeschnitten werden muss.
Ein höheres Schalldämmmaß bedeutet bessere Dämmung. Weil die Skala logarithmisch ist, lassen 50 dB nur ein Zehntel der Energie durch, die bei 40 dB noch hindurchkommt. Welcher Wert für Ihren Fall reicht, ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Pegel in der Halle und dem gewünschten Pegel im Raum dahinter.
Nicht automatisch um 40 dB. Die tatsächliche Pegeldifferenz zwischen zwei Räumen hängt zusätzlich von der Größe der Trennfläche und von der Absorption im leiseren Raum ab, dazu kommen Nebenwege.
Eine große Wand zu einem halligen Büro lässt mehr Schall ankommen als eine kleine Wand zu einem gedämpften Raum, auch bei identischem Schalldämmmaß.
Nur eingeschränkt. Der in Nordamerika gebräuchliche STC-Wert nach ASTM E413 entsteht ebenfalls aus einer Bezugskurve, nutzt aber einen anderen Frequenzbereich und eine zusätzliche Regel für einzelne Ausreißer. Beide Zahlen liegen oft nur wenige Dezibel auseinander, sind aber nicht austauschbar.
Bei Bauteilen aus internationaler Beschaffung oder für Exportprojekte lohnt deshalb ein Blick ins Prüfzeugnis, welches Verfahren hinter dem angegebenen Schalldämmmaß steht.
Nein. Das Schalldämmmaß beschreibt ausschließlich die Dämmung von Luftschall. Für Trittschall gibt es den bewerteten Norm-Trittschallpegel Ln,w, bei dem kleinere Zahlen besser sind. Schwingungen, die über Fundamente und Stahlbau laufen, lassen sich nur durch Entkopplung und Dämpfung begrenzen, nicht durch schwerere Wände.
Die passende Zahl ergibt sich nicht aus dem höchsten Wert im Katalog, sondern aus drei Angaben: dem Zielpegel am Arbeitsplatz, dem Lärmspektrum Ihrer Maschinen und den Flächen aller Bauteile, die eine Wand bilden. Mit diesen drei Größen lässt sich das nötige Schalldämmmaß sauber herleiten, inklusive Tür, Fenster und Lüftung.
Unsere Ingenieure messen den Lärm vor Ort, legen den Wandaufbau fest und konstruieren jedes Element passend zum Aufmaß. Die Elemente entstehen in unserer eigenen Fertigung, eingebaut werden sie anschließend von unseren eigenen Monteuren. Kontaktieren Sie uns mit Grundriss, Maschinenliste und Ihrem Zielwert. Daraus berechnen wir, welche Werte Wand, Tür und Fenster erreichen müssen.
sta group
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